Nicht ganz so spontan, die Selbstentzündung

Das Fate-Magazin und unsere Freunde von grenzwissenschaft-aktuell berichten über einen aktuellen Fall von “spontaner menschlicher Selbstentzündung” in Irland:

Der Flammentod eines 76-Jährigen im irischen Galway stellt die Behörden vor ein Rätsel: Zwar wurde der verbrannte Leichnam in der Nähe eines offenen Kamins vorgefunden, doch gibt es keine Anzeichen dafür, dass es auch diese Flammen waren, die den Rentner entzündet hatten. Das Feuer schien sich nur auf seinen Körper und die mit ihm unmittelbar in Verbindung gestandenen Umgebung ausgewirkt zu haben.

Selbst der Gerichtsmediziner kam nun zu dem Schluss, dass es sich offenbar um einen jener seltenen Fälle von “spontaner menschlicher Selbstentzündung” zu handeln scheint – ein Phänomen, das bis heute Rätsel aufgibt.”

Nun ja, nicht wirklich.

Und noch viel weniger bezweifeln “die Skeptiker” die “tatsächliche Existenz” solch mysteriöser Vorfälle, wie es bei GreWi heißt.

Aber nicht alles, was auf den ersten Blick mysteriös aussieht, ist unerklärlich oder gar paranormal.

Auch der US-Neurologe Steven Novella hat zu dem SHC-Fall in Irland gebloggt:

The coroner in this case should have concluded that the cause of the fire was unknown, not that it fit into a non-existent category of SHC. But at least he provided another teaching moment for the promotion of critical thinking.”

Was genau “kritisches Denken” beim Phänomen der angeblichen Spontanen menschlichen Selbstentzündung bedeutet beziehungsweise herausfindet, erklärt zum Beispiel Dr. Mark Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat auf seiner Homepage:

Seitens der Wissenschaft werden diese Theorien mit einer Mischung aus Belustigung und Verwunderung betrachtet.

Der Tatbestand als solcher steht jedoch außer Frage: “Solche rätselhaften Brandfälle gibt es tatsächlich”, bestätigt der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke. “Jeder Gerichtsmediziner hat in seiner Laufbahn mindestens mit einem solchen Fall zu tun.” Nur den mehr oder weniger wissenschaftlich inspirierten Theorien der SHC-Anhänger mag der Doktor der Medizinwissenschaften doch nicht folgen. “Alles Quatsch”, winkt er ab.

Weil er es genau wissen wollte, hat der 30jährige Experte für genetische Fingerabdrücke und forensische Entomologie die Kellerarchive der rechtsmedizinischen Institute nach Dokumenten über solche sonderbaren Brandleichen durchstöbert. “Das war wirklich harte Arbeit”, stöhnt er noch heute über die Berge verstaubter Literatur, die er bei seiner Detektivarbeit durchforsten musste.

Die Ausbeute seiner Forschungsexepdition in den Gruselkeller der Rechtsmedizin klingt nüchtern: “Meines Wissens hat kein Chemiker, Physiker, Biologe oder Rechtsmediziner jemals in einem wissenschaftlichen Artikel von der plötzlichen Entzündung menschlicher Körper durch einen unbekannten inneren Mechanismus berichtet.” Vielmehr hätte die Rechtsmedizin bei allen Todesfällen dieser Art eine Erklärung “ohne Rückgriff auf fantastische Deutungen” finden können.

In allen Fällen seien die Opfer Personen gewesen, deren Reaktionsvermögen aufgrund ihres hohen Alters, einer Krankheit oder durch Alkoholkonsum stark beeinträchtigt gewesen sei und die sich durch äußere Einwirkung verbrannt hätten.

Exemplarisch sei der Fall einer 67jährigen Amerikanerin, die wegen ihrer Todesumstände als “Aschefrau” Schlagzeilen machte. Dem Untersuchungsbericht des FBI zufolge hatte die alte Dame aus Aufregung über einen verzögerten Umzugstermin Schlaftabletten genommen und sich danach – wie sie es gern vor dem Zubettgehen tat – in ihren Sessel gesetzt, um eine Zigarette zu rauchen.

Ihre Vermieterin, die ihr am nächsten Morgen ein Telegramm überbringen wollte, machte eine grausige Entdeckung: In dem Sessel befand sich die fast völlig zu Asche verbrannte Leiche der Frau. Das restliche Zimmer schien nahezu unversehrt.”

Was hatte es mit der berühmten “Aschefrau” Mary Reeser auf sich?

Darüber haben wir im Skeptiker (4/2000) schon berichtet, nachzulesen hier.

Auch ein ausführlicher Artikel zu Beneckes SHC-Forschungen ist in dieser Ausgabe erschienen.

Zum Weiterlesen:

  • Spontane Selbstentzündung: GWUP-Thema
  • Spontane menschliche Selbstentzündung, Hoaxilla-Podcast Nr. 15 vom 26. September 2010
  • Not-so-Spontaneous Human Combustion, Skeptical Inquirer November/Dezember 1996

3 Kommentare zu “Nicht ganz so spontan, die Selbstentzündung”


  1. 1 Kurtilein 19. Dezember 2011 um 01:10

    Ich hab mal eine Dokumentation gesehen die das ganze Phänomen erklärt.

    Wenn sich ein Mensch stark verbrennt, kann der Körper bei entsprechend hohem Körperfettanteil anfangen, selbstständig weiterzubrennen. Das Wasser verdunstet, Fett wird ausgekocht und verbrennt.

    Übrig bleibt ein verkohlter Bereich am Boden in der Form des Körpers, manchmal bleibt eine Hand oder ein Fuß übrig, oder der Kopf, oft wird sogar das Skelett zu Asche.

    Ziemlich eklig und schwer sich vorzustellen, für die Dokumentation haben sie dann ein totes Schwein angezündet, haben glaube ich einen benzingetränkten Lappen draufgelegt oder so. Es hat stundenlang gebrannt und stark geraucht, am Ende war sogar das meisste vom Skelett verschwunden.

    Also ich glaub daher kommen die ganzen Gerüchte, wenn man den Effekt nicht kennt und dann sowas findet ist man erstmal platt. Es ist ja auch enorm selten, hauptsächlich weil die Feuerwehr meisstens sehr schnell ist. Oder weil das komplette Auto / die komplette Wohnung ausbrennt und diese Besonderheit deshalb niemandem auffällt.

  2. 2 Neko 14. März 2012 um 12:57

    Ich stimme Kurtilein zu. Dieses Phänomen ist weder “Spontan” noch eine “Selbstentzündung”. Vielmehr kommt es beim Verbrennen eines Körpers dazu, dass das Fett durch die Poren der Haut aufgrund der enormen Hitze des Feuers nach außen dringt. Wie bei einem Steak. Durch die Kleidung (oder wenn die Person in eine Decke oder ähnliches gehüllt ist) kommt es dann zu einen Dochteffekt, da sich der stoff vollsaugt und das Fett (wie das Wachs bei einer Kerze) vom flüssigen in den Gasförmigen Zustand übergeht. Die Gase des Fettes entwickeln eine enorme Hitze und durch eine entsprechend lange Brenndauer werden die Knochen spröde und verbrennen schließlich selbst zu Asche. Das ist auch einer der Gründe, weswegen man von den Opfern oft nur noch die Unterschenkel findet, da diese wenig Fett enthalten, welches zu ihrer Verbrennung beiträgt.

  3. 3 truther 15. Oktober 2015 um 02:32

    für mich gibt es nur eine Erklärung:
    Mikrowellenwaffen

    wieso kommt da keiner drauf ?

    Ist doch offensichtlich !

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