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Maya setzen auf den „Weltuntergang“

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Wie es scheint, haben die (heutigen) Maya endlich einen Weg gefunden, am „2012“-Hype mitzuverdienen – es sei ihnen von Herzen gegönnt!

Die Welt berichtet, dass die umstrittene These vom Weltuntergang planvoll vermarktet werden soll, um mehr Touristen ins Land zu locken (und hoffentlich nicht solche Vögel).

Wir werden der ganzen Welt die Magie der Mayas zur Kenntnis bringen“,

wird Präsident Felipe Calderón zitiert. Zu diesem Zweck soll es 500 Ausstellungen, Konferenzen und Festivals in den archäologischen Stätten in den Bundesstaaten Yucatán, Quintana Roo, Chiapas, Campeche und Tabasco geben.

Gut so. Denn schon vor zwei Jahren hatte der Maya-Älteste Apolinario Chile Pixtun darauf hingewiesen, dass all die Endzeit-Phantastereien nichts weiter als eine Erfindung westlicher Esoteriker seien – und nichts mit den Maya zu tun hätten:

Apolinario Chile Pixtun is tired of being bombarded with frantic questions about the Mayan calendar supposedly „running out“ on Dec. 21, 2012. After all, it’s not the end of the world.

Or is it?

Definitely not, the Mayan elder insists. „I came back from England last year and, man, they had me fed up with this stuff.“

[…]

Chile Pixtun, a Guatemalan, says the doomsday theories spring from Western, not Mayan, ideas.“

Einer der Hauptverantwortlichen für den ganzen Quatsch kann nach dem 21. Dezember 2012 leider nicht mehr mit seinen grotesken Fehldeutungen konfrontiert werden: Der „spirituell inspirierte Maya-Forscher“ Jose Argüelles („Der Maya-Faktor“) ist Ende März gestorben.

„Spirituell inspirierter Maya-Forscher“?

Nein, „post-koloniale Ursupatoren“ nennt Ludmila Carone von Hinterm Mond gleich links die Argüelles und Co.:

Die reißen sich aus einer alten Kultur, weil es halt schick ist, einfach alles heraus, was ihnen in den Kram passt. Ohne Respekt für diese Kultur, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne die Leute, deren Kultur sie mal eben vergewaltigen, am Gewinn zu beteiligen.

Diese ach so ganzheitlichen Typen sind moralisch widerlich auf so vielen Ebenen.“

Wo sie recht hat …

Aber, wie gesagt: Zum Glück sichern sich jetzt die Maya selbst ihr Stück vom Weltuntergangs-Kuchen.

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Harder: 2012 oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben. Herder-Verlag, Freiburg 2011
  • Weltuntergang soll Tourismus ankurbeln, GWUP-News am 24. Juni 2011
  • Rezension zu „2012 oder wie ich lernte den Weltuntergang zu lieben“ bei stackenblochen am 24. Juni 2011
  • Rezension zu „2012 oder wie ich lernte den Weltuntergang zu lieben“ bei Astrodicticum simplex am 18. Juni 2011

Ein Kommentar

  1. Leider werden die Maya keine Gelegenheit dazu bekommen, da perfiderweise die Welt schon viel früher mit dem Untergehen anfängt – und zwar am 26.6 2011 zur Frauenfußball-WM: Davon überzeugt ist der Essener Rechtsanwalt Geest, der sogar deswegen einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Bundeskanzlerin und den Berliner Innenminister richtet.

    http://van-geest.de/index.php?option=com_content&task=view&id=13&Itemid=27

    Schuld sind natürlich mal wieder die üblichen Verdächtigen: Bilderberger, Freimaurer, etc, etc.
    Das Ganze hat der Gute u.a.aus (man staune) Filmplakaten, einem Song von Jennifer Warnes und…einer Folge der Simpsons.
    Wenn man schon dachte, man hätte jeden Blödsinn gehört…:

    http://whaaat.de/truewords/?p=2445

    P.S. Mal ehrlich liebe Verschwörungstheoretiker: Wenn die Welt schon (wieder) untergehen soll, dann bitte mit einem etwas cooleren Namen als „Das Megaritual 2011“, das klingt wie die Wochenendsause unserer Dorfdisko – und wenn wir schon dabei sind: Schaltet doch mal die Korrekturfunktion Eures Schreibprogramms an, da rollt sich ja einem der Duden zusammen.

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