GWUP-Konferenz: Energie als Metapher

Weiter geht’s mit einem medizinanthropologischen Vortrag:

Dr. Michaela Noseck referiert über “Energie als Metapher in der österreichischen Heilerszene”:

Wenn von “Energie” in der Alternativmedizin Rede sei, könne man zwei Varianten unterscheiden:

  • Messbare Methoden wie Farben und Musik.
  • Energien und Kräfte, die nicht gemessen werden können, wie Chi, Prana etc.

Als Beispiel zeigt Noseck Farblichtanwendungen – aber schon in diesem scheinbar seriösen Bereich belegte die Wiener Sozial- und Kulturanthropologin völlig gegensätzliche Anwendungen und Interpretationen – von halbwegs zutreffend (“Rot ist immer gut, wenn was durchblutet werden soll”) bis hin zum Freien Assoziieren der Anwender (“Wenn ich auf Rot hinschaue, verbinde ich es mit dem Gedanken Feuer”).

Hieraus entwickelt sie die Frage, warum mögliche Ansätze zur Beschreibung und Erforschung jener Methoden (Placeboforschung, Verortung im Bereich spiritueller Konzepte usw.) so hartnäckig ignoriert werden, während einer offensichtlich problematischen Verwendung naturwissenschaftlich definierter Begriffe und Konzepte der Vorzug gegeben wird?

Oder anders: Warum sprechen “energetische Heiler” von Quanten, Feldern und Schwingungen, wenn die Kunden im Grunde nichts weiter wollen als Zeit und Zuwendung?

Erst einmal: Alternative Ansätze sind nicht alternativ, sondern die Anwender beschlagnahmen lediglich die Symbolik und den Sprachgebrauch der “orthodoxen medizinisch-technischen Kräfte”. Für die Referentin sei diese Erkenntnis erklärtermaßen “ernüchternd” gewesen. Denn sie bedeute nichts anderes, als dass die “heterodoxen” Kräfte nur scheinbar alternativ seien, aber keineswegs wirklich eine Alternative.

“Energie” stehe für die Patienten und die Anwender lediglich metaphorisch für eine Art konsumistisches “Health Shopping” und so etwas wie Apparate-Schamanimus“.

Noseck nennt schließlich die Placebo-Forschung als das entscheidende (und mehr zu fördernde) Bindeglied für den kritischen Umgang mit traditionellen und komplementären Anwendungen.

2 Kommentare zu “GWUP-Konferenz: Energie als Metapher”


  1. 1 Bernd Harder 3. Juni 2011 um 15:47

    Hier noch ein paar Photos von der GWUP-Konferenz: http://www.flickr.com/photos/skeptiker/sets/72157626867614166/

  2. 2 Ralf 10. August 2013 um 22:41

    Super, danach habe ich gesucht (jetzt nicht gerade explizit, ich habe etwas anderes gesucht), aber genau das stört mich schon immer an der “Energie”-Wahrnehmung von Esoterikern, besonders Wünschelrutengänger oder Pendlern und (last but not least) den Reiki-Anhängern…

    die schwätzen immer etwas von “Energie geben”…jetzt mal Butter bei de Fische – wenn die wirklich “Energie” geben würden, dann müßten sie natürlich auch Energie verlieren, sprich Kalorien verbrenne, was sich letzten Endes in einer Gwichtsreduzierung niederschlagen würde…nu ja…dann kommt so ein seltsames Geschwurbel als würden sie als eine Art kosmischer Mittler, kosmische (oder komische?) Energien weitergeben…

    man, man, man…

    physikalisch gesehen, ist Energie einfach nur verrichtete Arbeit und nicht “geheimnisvolles”…einfaches Beispiel: Um eine 100-Watt-Birne 10 Stunden zum Leuchten zu bringen, benötige ich eine Energiemenge von einer Kilo-Watt-Stunde.

    Ist hierbei etwas “esoterisches”…ich frage mich manchmal…Haben die Esoteriker wirklich nicht ein bisschen im Physikunterricht in der Schule aufgepasst?

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