Und wieder ist ……. Freitag der 13

… war der legendäre Streifen, in dem Jason erstmals mit Eishockeymaske auf Teenyjagd ging.

Ach ne, falscher Film. Heute geht es ja um den berüchtigten Unglückstag.

Nun ja, was soll man dazu noch groß sagen?

Festzustehen scheint [...], dass Freitag der 13. als Unglückstag erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts größere Popularität erlangt hat”,

merkt Esowatch richtigerweise an.

Die Mär von der uralten Tradition dieser schauderbaren Datumskombination, die auf das Letzte Abendmahl oder auf die Templer-Prozesse im Mittelalter zurückgehe, ist definitiv falsch.

Darüber haben die Volkskundler Dr. Gunther Hirschfelder (“Freitag der 13. – Ein Unglückstag?”) und Dr. Stephan Bachter (“Freitag der 13. und die Auflösung des Templerordens”) im Skeptiker publiziert.

Und ein klein wenig sind wir stolz darauf, dass diese Erkenntnisse und Veröffentlichungen auch in der Publikumspresse angekommen zu sein scheinen.

Aber wann ist die Verbindung von “Freitag” und “13″ tatsächlich ins gesellschaftliche Bewusstsein diffundiert?

Bachter verweist …

… in diesem Zusammenhang auf die Datenbank ADAM (= Augsburger Datenbank Aufklärung und Magie), wo umfangreiche Schriften zu Hexerei, Aberglauben et cetera erfasst und verschlagwortet sind.

Weder dort noch in der ethnographischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts noch in den großen volkskundlichen Umfrageprojekten (Physikatsberichte um 1860, Umfrage des Vereins für Volkskunst und Volkskunde 1908/09, Atlas der deutschen Volkskunde um 1930) taucht Freitag, der 13. als Unglückstag auf. Es fehlt also jeder Nachweis für eine Überlieferungskontinuität zwischen 1307 und 1950″.

Der Augsburger Ethnologe verortet das magische Datum daher in den 1950er-Jahren, als es erstmals in dem Zauberbuch “6. und 7. Buch Mosis” erwähnt wurde.

Auch das US-Portal urbanlegends.about schreibt heute in einem großen Übersichtsartikel:

If folks who lived in earlier ages perceived Friday the 13th as a day of special misfortune, no evidence has been found to document it. As a result, some scholars are now convinced the stigma is a thoroughly modern phenomenon exacerbated by 20th-century media hype.”

Allerdings weisen die Folklore-Experten zugleich auf ein nicht-wissenschaftliches, populäres Buch von 1907 hin, das als Taktgeber für den Unglückstag in Frage komme:

In 13: The Story of the World’s Most Popular Superstition (Avalon, 2004), author Nathaniel Lachenmeyer argues that the commingling of “unlucky Friday” and “unlucky 13″ took place in the pages of a specific literary work, a novel published in 1907 titled — what else? — Friday, the Thirteenth.

The book, all but forgotten now, concerned dirty dealings in the stock market and sold quite well in its day. Both the titular phrase and the phobic premise behind it — namely that superstitious people regard Friday the 13th as a supremely unlucky day — were instantly adopted and popularized by the press.”

Nun, “forgotten now” ist nicht so ganz korrekt.

Denn Ralf Bülow, der auch hier im Skeptiker-Blog kommentiert, porträtierte 2008 bei einestages den “Mann, der Freitag, den 13. erfand”.

Nämlich eben jenen amerikanischen Schriftsteller Thomas W. Lawson, der 1907 den Börsenroman “Friday, the Thirteenth” herausbrachte, der noch im gleichen Jahr als “Freitag, der Dreizehnte” auf Deutsch erschien:

Das Werk schildert die Taten eines Wall-Street-Maklers, den eine Frau vom rechten Weg abbringt. Um eine Firma in den Ruin zu treiben, löst er an besagtem Freitag durch Aktientricks einen Kursrutsch aus. Er erreicht sein Ziel, doch führt ihn sein Sieg zugleich ins Verderben.

Das Online-Archiv der New York Times zeigt, dass die teuflische Paarung von Wochentag und Datum erst nach dem Erscheinen von Lawsons Roman auftrat. Auch das Buch “13: The Story of the World’s Most Popular Superstition”, das der Amerikaner Nathaniel Lachenmeyer vor vier Jahren vorlegte, hält den Bostoner Kapitalisten für den Erfinder des Schreckenstermins.”

Und dann gab es in den 1980er-Jahren noch einen Filmregisseur namens Sean Cunningham, der ein paar Teenies in ein Ferienlager an einem idyllischen Waldsee verfrachtete und …

Aber das ist, wie gesagt, eine andere Geschichte.

Zum Weiterlesen:

  • Freitag, der 13., die Templer und die alten Märchen, GWUP-Blog am 13. November 2009

 

 

4 Kommentare zu “Und wieder ist ……. Freitag der 13”


  1. 1 Jörg 12. Mai 2011 um 19:11

    Wenn man das ganze (also “Freitag, der 13.” und Unglückstag) mal bei Google Books eingibt, findet man für die Zeit vor 1900 eine Rede von Georg von Schönerer, veröffentlicht 1887. Ich kannte den Mann nicht, laut Wikipedia ein Vorbild Hitlers.

    Der greift in der Rede die Presse heftig an und schreibt dann:

    “Im Volksmunde ist der Freitag ein Unglückstag und die Zahl „13″ eine Unglückszahl. Heute ist Freitag der 13. Februar! Möge das Schicksal es ermöglichen, daß das heutige Volksgericht in Wahrheit zum Unglückstage für die verlotterte Presse und der Anfang zur Vernichtung derselben gemacht werden!!!” (ja, er verwendet tatsächlich 3 Ausrufezeichen).

    Davon abgesehen, dass der Mann offenbar ein Vollspacke war, geht meiner Meinung aus der Formulierung klar hervor, dass Ende des 19. Jhds. zwar Freitag und die 13 als unglücksbringend galten, die Kombination von beiden aber eben gerade noch nicht üblich war, sonst hätte er das ja nicht so kompliziert formuliert, sondern einfach gesagt: Heute ist Freitag, der 13. usw.

    Lawsons Werk dürfte wohl mit der größten Wahrscheinlichkeit der Auslöser gewesen sein.

  2. 2 cohen 13. Mai 2011 um 08:30

    @Jörg:
    Das ist ja interessant!
    Die Quelle ist viel älter, als bisherige. Klasse!

  3. 3 Peter 17. Mai 2011 um 13:09

    hallo laut Kommentaren im Xing muß dieser Freitag besonders schlimm gewesen sein,
    da die Quersumme vom 13.05.2011 (1+3+0+5+2+0+1+1) auch wieder 13 ergibt, also DOPPELTES PECH!
    …und ich hab wieder nichts gemerkt! Sowas aber auch, totaal unsensibel!

  1. 1 Glück und Unglück: Aberglauben-Ausstellung | gwup | die skeptiker Pingback am 17. Mai 2011 um 20:40

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