Auch in der x-ten Wiederholung sehenswert: “The Frighteners” heute Abend bei Kabel 1. Michael J. Fox als Geisterjäger. Passt auch gut zu den sich häufenden Auftritten von echten “Ghosthuntern” in den Medien, etwa bei RTL oder in der Bild-Zeitung.
Nur dass die Jungs von der Paranormal Research Group Hamburg oder vom Team Paranormaler Forschung Baden ektoplastische Inkarnationen nicht mit bloßem Auge wahrnehmen können, so wie eben Frank Bannister in “The Frighteners”. Also muss technisches Equipment her – je mehr, desto besser.
Wirklich?
Die Methodik dahinter scheint folgende zu sein: Man besucht finstere, unheimliche Orte, benutzt alle möglichen Messgeräte und Kameras und sucht damit nach “Geistern” – also nach irgendetwas in den Aufzeichnungen, das merkwürdig oder auf den ersten Blick unerklärlich aussieht.
Je mehr Messkanäle man dazu aufbaut, desto eher kommt so etwas vor. Von der Fliege vor der Linse über digitale Aufzeichnungsprobleme bis zum eigenen Flüstern, das aus dem Nachbarzimmer zum Mikrophon getragen und dann beim extremen Verstärken entsprechend verzerrt wird. Analoge Tonbandgeräte zum Beispiel haben ein gewisses Rauschen und behalten immer Reste der letzten Aufzeichnung zurück, die nicht vollständig überschrieben werden. Digitale Geräte weisen eher binäre Defekte auf, wie Aussetzer, Streifen, Bildpunkte und Ähnliches.
Denkt man dann noch typischerweise nach dem Muster “Was ich nicht erklären kann, muss ein Geist sein”, fängt man am Ende auch tatsächlich einen. Einen Geist der Lücken, vergleichbar mit dem “Gott der Lücken” der Kreationisten.
“Techno-Mystizismus” nennt der Kulturwissenschaftler und Spezialist für Technik- und Mediengeschichte John Potts dieses Treiben von Ghosthunter-Gruppen, deren Mitglieder sich – meist ohne akademische Ausbildung, aber technisch hochgerüstet – der “Aufklärung” von Spukfällen widmen.
Dr. Joe Nickell, Senior Research Fellow bei der amerikanischen Skeptikerorganisation CSI, hat in den vergangenen vier Jahrzehnten zahllose scheinbar unerklärliche Vorfälle untersucht, darunter auch berühmte Spukfälle wie etwa Amityville oder Myrtles Plantation. Zu seine Ausrüstung, sagte er in einem Skeptiker-Interview: “Im Grunde nehme ich nur das mit, was ich benötige, um das Beweismaterial zu sichern – eine Kamera, Taschenlampe, Notizbuch, spezielle Fragebögen. Manchmal, wenn die Umstände es erfordern, auch Zusätzliches, etwa eine Lupe.”
Und was ist mit Trifield-Meter, EMF oder Mikrowellen-Prüfgerät?
“Ich rate sogar davon ab, eine wissenschaftliche Ausrüstung für die Geisterjagd zu verwenden, weil diese Geräte nicht dafür entwickelt worden sind und nicht nachgewiesen ist, dass sie für solche Untersuchungen überhaupt geeignet sind”, erklärt der berühmte Para-Detektiv, dem Hollywood mit dem Mysterystreifen “The Reaping” (2007) ein filmisches Denkmal gesetzt hat. “Viele Geisterjäger tun es trotzdem. Aber in den meisten Fällen fehlt ihnen die wissenschaftliche oder technische Ausbildung, um zu verstehen, was ihre sensiblen und fehleranfälligen Geräte denn nun eigentlich genau anzeigen. Manchmal spricht High-Tech-Equipment ganz simpel auf einen Fehler in der Elektroinstallation des Hauses an, sie detektieren mitnichten irgendeine geisterhafte Energie.”
Ein Fachmann, hat mal Niels Bohr gesagt, “ist ein Mann, der einige der größsten Fehler kennt, die man in dem betreffenden Gebiet machen kann, und der sie deshalb zu vermeiden versteht.” Auf das Thema Ghosthunting bezogen könnte das heißen: Gerade bei der Untersuchung von stark subjektiven Phänomenen, von Phänomenen mit sehr geringen (oder nicht vorhandenen) Effektstärken und von unregelmäßig auftretenden, nicht replizierbaren Effekten müssen besonders viele Vorsichtsmaßnahmen gegen Fehlinterpretationen getroffen werden.
Stattdessen ist es wohl eher so: “Ghost hunters may be spinning their wheels, but at least they are enjoying the ride.”
Zum Weiterlesen:
- Martin Lambeck, Rainer Wolf, Wolfgang Hell, Stephan Bachter: Spuk-Schwarte. Skeptiker 4/08, S. 205-208.
- Times Union: Skeptic: Ghost hunters practice “pseudoscience”
- CSI: Ghost Hunters
Ah, das geht so einfach mit den “Beweisen”. In Großbritannien ist das ebenfalls sehr beliebt (TV: Ghosthunters UK). In Newcastle macht einer dieser Experten Touren zum Geisterfinden. Ich hab das mal mitgemacht und dass sein EMF-Gerät ausschlug hatte natürlich nichts damit zu tun, dass sein Kollege zur gleichen Zeit in die Jackentasche griff …
Der Film kommt auf RTL II, Leute. Nicht auf Kabel 1.
Ja, und nicht vergessen, das Resteverwertungsprogramm “Das Vierte” zeigt jetzt die amerikanische Pseudo-Dokumentations-Reihe “Ghost Hunters”. Da wird genau dieses “Man besucht finstere, unheimliche Orte, benutzt alle möglichen Messgeräte und Kameras und sucht damit nach “Geistern” – also nach irgendetwas in den Aufzeichnungen, das merkwürdig oder auf den ersten Blick unerklärlich aussieht” in Serie gezeigt.
Das ist so doof, dass es schon wieder lustig ist. Das Spin-Off “Ghost Hunters International” wird ebenfalls in unregelmäßigen Abständen gezeigt. Da gibt’s sicher demnächst auch die Folge auf Burg Frankenstein. Da werden so schöne Aussagen getroffen, wie “wenn das Licht ein dunkles Partikel richtig trifft, sieht man was ganz anderes”.
@Mimus Vitae:
Danke für den Hinweis – aber wenigstens richtig verlinkt war der Sender ja.
@Jörg:
Bitte gerne kurz vorher Bescheid sagen, das würde ich gerne sehen.
@Bernd Harder: Ich blick leider nicht so ganz durch beim Sendekonzept des Vierten. Die “normale” Ghost Hunters Sendung läuft einmal die Woche, das International-Spin-Off aber irgendwie manchmal zweimal die Woche und dann wieder drei Wochen gar nicht. Wenn da ein Konzept dahintersteckt, kapier ich’s nicht… oder es ist paranormal.
Von daher kann ich nur schätzen, dass die Burg Frankenstein-Episode irgendwann Mitte bis Ende November laufen wird. Im Zweifelsfall ist die englische Originalfassung aber auch auf YouTube zu finden.
In der letzten Episode von South Park gab es eine adäquate Darstellung der Ghost Hunter-Shows:
[youtube.com CSJekLjLYCo]
Falls es noch von Interesse ist, die Folge von Ghost Hunters International auf Burg Frankenstein soll am 29.12. um 23.00 Uhr laufen.
Wie immer, ist die Devise der GWUP, auch in diesem Jahr wieder: GRUNDSÄTZLICH alles schlechtreden !
Auch wenn es die GWUP noch in 20 Jahren geben sollte (Was ich eigentlich nicht glaube…) wird sich daran NIE etwas ändern !
Verbohrte sogen. “Wissenschaftler” und selbsternannte “Pseudoexperten” versuchen immer wieder (wahrscheinlich auch mit MASSIVER Unterstützung der traditionellen Kirchen, denen die Schäfchen davonlaufen), alles Paranormale lächerlich zu machen ! Die Tagungen Ihrer Gesellschaft in den größten katholischen Hochburgen, sprechen eigentlich Bände…
Erfahrungen und Erlebnisse von Millionen Menschen, werden einfach ignoriert, Berichte einfach als “persönliche Anekdoten” ohne Beweiskraft in’s Lächerliche gezogen…
Aber lächerlich ist (und macht sich) nur EINER: Nämlich die GWUP !!!
Die heutige Sendung vom 29.12.2009 von Ghost Hunters International von der Burg Frankenstein, war gar nicht schlecht. Wenngleich natürlich die Sache auch etwas “aktionistisch” erschien…
Da diese Burg ja quasi vor Ihrer Tür liegt, freue ich mich schon jetzt, auf den Gegenbeweis der GWUP, die natürlich wieder alles als Humbug hinstellen wird.Und dies mit TÖDLICHER Sicherheit !!!
Ehe Ihre Gesellschaft irgend ein Phänomen anerkennt, wird eher eine Kuh über einen Kirchturm fliegen… (Zumindest, wenn kein Tornado wütet) *ggg*
R.K.
@R. Klawitter:
Eigentlich erübrigt sich auf dieses sinnfreie Gegeifer jede Erwiderung – nur die Wette, dass es die GWUP in 20 Jahren immer noch geben wird, nehme ich gerne an. Denn wie dringend notwendig so ein Verein ist, dafür ist Ihr *Kommentar* mal wieder der beste Beweis.